Der Weg vom Uran zur Atombombe
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  Radiometer
Raum Geschichte des Uran
 
  Uranglas
Urankonzentrat
 
1789 Der deutsche Apotheker und Chemiker Martin Heinrich KLAPPROTH gab am 24. September 1789 in einer Ansprache vor der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin die Entdeckung des Urans bekannt. Dieses neue Element entdeckte er bei der Untersuchung von „Eisenpecherz", welches aus der Grube „Georg Wagsfort“ im erzgebirgischen Johanngeorgenstadt kommt, und benannte es nach dem neu entdeckten Planeten Uranus.
 
1825 Montanstatistiken des sächsischen Erzbergbaus zufolge kamen von 1825 bis 1900 etwa 110 Tonnen Uranerz zum Verkauf. Den größten Anteil hatten die Bergreviere von Schneeberg und Johanngeorgenstadt. Ein weiterer wesentlicher Fundort war das böhmische Jachymow (St. Joachimsthal) in der heutigen Tschechischen Republik.
 
1826 Joseph RIEDEL aus den Sudeten entwickelte ein Verfahren zur Herstellung von Uranglas. Zuerst waren es grün und gelb gefärbte Gläser, sogenanntes Annagrün und Annagelb, benannt nach seiner Tochter Anna. Eine wichtige Eigenschaft ist diesen Urangläsern gemeinsam, dass sie unter ultraviolettem Licht fluoreszieren.
 
1841 Erst in diesem Jahre gelang es dem Franzosen Eugéne M. PELIUGOT, metallisches Uran herzustellen.
Seine Eigenschaften:
  URAN ist ein silberweißes Metall mit der Dichte 19,1 g/cm3 und einem Schmelzpunkt von 1850° C (Gold: 19,3 g/cm3, 1035° C) .

Im periodischen System der Elemente ist Uran mit der Ordnungszahl 92 das letzte in der Natur vorkommende Element. Die Elemente ab Ordnungszahl 93 werden künstlich hergestellt.
Nach neuesten Erkenntnissen sollen allerdings in der Natur noch etwa 300t Plutonium vorhanden sein.

Tafelwerk

   


Das in der Natur gefundene Uran weist eine natürliche Radioaktivität auf, die ein spontaner, ohne Zutun des Menschen und ohne äußere Einflüsse verlaufender Vorgang ist. Dabei zerfallen die Atomkerne des Urans gesetzmäßig nach einer bestimmten Zeit, der Halbwertszeit, unter Abgabe einer Strahlung in die Kerne eines anderen Elementes, das wiederum weiter zerfällt oder aber stabil ist, das heißt, keine Strahlung mehr abgibt. Man kennt heute vier derartige Zerfallsfamilien oder –reihen:

 

1. Die vom Isotop 238 des Urans ausgehende Uran – Radium – Reihe, bei der in 4, 5 Milliarden Jahren 50% des vorhandenen Urans 238 in stabiles Blei mit der Atommasse 206 entsteht. Das Radium und das Lungenkrebs erzeugende Edelgas Radon sind Mitglieder dieser Zerfallsreihe.
  2. Eine vom Schwermetall Thorium ausgehende Zerfallsreihe, bei der mit einer Halbwertszeit von 13,9 Milliarden Jahren ein stabiles Bleiisotop mit der Atommasse 208 entsteht.
  3. Eine vom Uranisotop 235 ausgehende Zerfallsreihe, bei der in etwa 890 Millionen Jahren (Halbwertszeit) das stabile Bleiisotop 207 entsteht.
  4. Die vom Element Neptunium (Plutonium) ausgehende Zerfallsreihe, bei der in etwa 2,2 Millionen Jahren das stabile Wismutisotop 209 entsteht.
 

 

Das in der Natur gefundene Uran besteht aus drei Isotopen:
 
 
Name
Atommasse
Anteil im Natur-Uran
Herkunft
Uran
238
99,274 %
U-Reihe
Ac Uran
235
0,72 %
AcU-Reihe
Uran II
234
0,0052 %
U-Reihe
 
  Für die Entwicklung einer Atombombe war das Isotop Uran 235 von ausschlaggebender Bedeutung. Es ist, wie aus der Tabelle ersichtlich, nur zu etwa 0,7 % im Natur-Uran enthalten und explodiert bei einer kritischen Masse von 46,5 kg, die eine ausreichende Neutronendichte gewährleistet, im Zuge einer Kettenreaktion spontan. Seine Gewinnung aus dem Natur-Uran ist ein energetisch und strahlenschutzmäßig außerordentlich aufwändiger Prozess, so dass man dazu überging, in speziellen Reaktoren aus dem hundertdreißigmal häufigeren Uran 238 durch Neutronenbeschuss das künstliche Element Plutonium 94 herzustellen, das ebenfalls mit 16 kg eine kritische Masse für eine Kettenreaktion hat.
 
1896 Der französische Physiker Antoine Henri BECQUEREL erkannte, dass Uran unsichtbare Strahlung aussendet. Seine Schülerin Marie Curie interpretierte die Forschungsergebnisse richtig und gab dem Phänomen den Namen „Radioaktivität".
 
 
Radioaktivität,

ist die Eigenschaft mancher chemischer Elemente (Radionuklide, Radioisotope), unter Aussendung einer unsichtbaren Strahlung und Bindung anderer Elemente zu zerfallen. Bei der beim radioaktiven Zerfall auftretenden und aus dem Atomkern stammenden Strahlung unterscheidet man die
- Strahlung, die aus positiv geladenen Heliumkernen, die
- Strahlung, die aus Elektronen besteht, und die
- Strahlung, die eine energiereiche elektromagnetische Strahlung ist.
Wegen ihrer positiven bzw. negativen Ladung werden die Bahnen der Alpha- und Beta-Strahlung im magnetischen Feld abgelenkt und lassen sich dadurch leicht von der Gamma-Strahlung unterscheiden. In der Natur kommen die Uran-, die Thorium- und die Actiniumzerfallsreihe vor, die von den Elementen Uran, Thorium und Actinium ausgehen. Bei diesen Zerfallsreihen ist nach Durchschreiten zahlreicher Zwischenstufen, die sich je nach der auftretenden Strahlung und den damit verbundenen Änderungen an positiven Kernladungen aufgrund von Verschiebungssätzen aus dem Periodensystem ergeben, das Blei Endprodukt des Zerfalls. Die Geschwindigkeit des radioaktiven Zerfalls wird durch die Halbwertszeit angegeben, die bei den verschiedenen radioaktiven Elementen zwischen Bruchteilen von Sekunden und Millionen von Jahren betragen kann. Aufgrund der Kenntnis der Halbwertszeit und des Gehalts an radioaktiven Elementen und Zerfallsprodukten kann auf das Alter z. B. eines Gesteins zurückgeschlossen werden (radioaktive Altersbestimmung). Zur Messung der Radioaktivität wird die durch die radioaktive Strahlung bewirkte Ionisation der Luft gemessen mit Hilfe des Geiger'schen Zählrohrs.
Je nachdem ob die Radionuklide in der Natur vorkommen oder künstlich durch Kernreaktionen erzeugt werden, unterscheidet man entsprechend zwischen natürlicher oder künstlicher Radioaktivität. In größeren Mengen können im Kernreaktor durch Umwandlung natürliche Elemente mittels intensiver Neutronenbestrahlung gewonnen werden. Wichtige Messgrößen der ionisierenden Strahlung radioaktiver Stoffe sind Aktivität, Energiedosis, Äquivalentdosis, Ionendosis: Die Aktivität eines Strahlers wird in Becquerel (Bq), früher in Curie (Ci), gemessen. Es gilt: 1 Bq = 1 Zerfall/Sekunde = 2,7027 · 10¹¹ Ci. Die Energiedosis, d. h. die von einer ionisierenden Strahlung auf eine gewisse Masse eines Materials übertragene Energie, wird heute in Gray (Gy), früher in Rad (rad), gemessen. Es gilt 1 Gy = 1 J/kg = 100 rad (J = Einheit der Energie, Joule). Die Äquivalentdosis, das Produkt aus Energiedosis und einem dimensionslosen Bewertungsfaktor zur Berücksichtigung der unterschiedlichen biologischen Wirkung verschiedener Strahlenarten, wird im Strahlenschutz verwendet. Sie wird heute in Sievert (Sv), früher in Rem (rem), gemessen. Es gilt: 1 Sv = 1 J/kg = 100 rem.
Die Ionendosis, d. h. ein Maß für die geladenen Teilchen, die Röntgen- oder Gammastrahlen in Luft erzeugen, wurde früher in Röntgen (R) gemessen. Die heutige SI-Einheit ist Coulomb/kg (C/kg). Es gilt: 1 R = 258 µC/kg.
Die biologische Wirkung ionisierender Strahlung hängt ab von der Energiedosis, der Dichte der Ionisationsprozesse und der zeitlichen Verteilung einer Bestrahlung.
Radionuklide werden u. a. bei der Behandlung bösartiger Geschwülste (Strahlentherapie), zur Markierung chemischer Substanzen, deren Verbleib aufgrund der ausgesandten Strahlung verfolgt werden soll (Radioindikatoren), und in der Kerntechnik eingesetzt. Auch Nuklearmedizin.

Aus: „Großer Bertelsmann Lexikon 2001 OCM“

 
1897 Marie CURIE entdeckt gemeinsam mit ihrem Mann Pierre das neue radioaktive Element Radium. Radium entsteht in kleinster Menge beim Zerfall von Uran und ist hochradioaktiv. Um den Bruchteil eines Gramms Radium zu erzeugen, verbrauchten die Curies Tonnen von Uran aus der Uranaufbereitungsanlage St. Joachimsthal. Rein rechnerisch ist in 2,8 Tonnen Uranmetall 1 g Radium enthalten.
 
Beginn 20. Jhd. Die bemerkenswerten Eigenschaften des Radiums, eine Strahlung auszusenden, deren Auswirkung auf das menschliche Gewebe allerdings noch in keiner Weise erforscht war, führte zu lokalen Ausweitungen des Uranerzbergbaus. Hauptsächlich in Europa und Nordamerika entstanden Anlagen zur Abtrennung des Radiums vom Erz. Nach Extraktion des Radiums wurde ein Großteil des geförderten Urans aber nach wie vor auf Halde verkippt.
Dem Radium schrieb man heilende Wirkung zu. Die Folge war ein sorgloser Umgang mit dem radioaktiven Element. Produkte wie radioaktive Erde für Moorpackungen, radioaktive Zahncreme, Radiumbier und radiumhaltiges Haarwasser fanden reißenden Absatz. Das Gütesiegel „radioaktiv" versprach schnelle Heilung, wenn das Präparat nur stark genug war. Bald war Radium die teuerste Ware dieser Zeit – es soll bis zu 200 000 Reichsmark pro Gramm gehandelt worden sein. Bis weit in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Radium auch zur Herstellung der Leuchtzifferblätter von Uhren und Armaturen verwendet.
 
1906 In Jachymow werden starke radioaktive Wässer erschlossen. Man beginnt ein Kurbad von Weltrang zu errichten.
 
1908 Beginn der Suche radioaktiver Wässer in Sachsen. Prof. SCHIFFNER und Ing. WEIDIG von der Bergakadernie Freiberg erkunden im Auftrag des Königlich Sächsischen Finanzministeriums mögliche Quellen im Erzgebirge.
 
1909 Erfolg verversprechende Quellen werden im Markus-Semmler-Stollen, einem Wasserlösestollen des Schlema-Schneeberger Bergrevieres, erkundet.
 
1911 Ernest RUTHERFORD entdeckt im Jahre 1911, dass ein Atom aus einem extrem kleinen, dichten Kern besteht.
 
1913 Niels BOHR stellt fest, dass Elektronen gesetzmäßig den Atomkern umkreisen. Erste Heilwasserausgabe von radioaktivem Wasser in Oberschlema.
 
1918 Radiumbad Oberschlema eröffnet Kurgebäude. Erste Kurgäste reisen nach Oberschlema.
 
1919 Niels BOHR entdeckt das Proton im Atomkern.
 
1932 Der Engländer James CHADWIK entdeckt das Neutron und leitet damit das Atomzeitalter ein. Revolutionär in der Physik war auch die von Albert EINSTEIN entwickelte Theorie, wonach Materie und Energie äquivalent sind. Die Formel stammt aus der Relativitätstheorie und ist weltbekannt; sie leitet eine neue Ära in der physikalischen Forschung ein, weil damit Energie und Masse gleichgestellt werden:
E = m * c²
 
1933 Der ungarische Physiker Leo SZILARD beweist theoretisch, dass die Spaltung von Atomkernen möglich ist. Eine Kettenreaktion wäre die Folge.
 
Kettenreaktion
 
1934 Enrico FERMI kommt ebenfalls zu der Auffassung, dass Atomkerne spaltbar sind. Beim Beschuss von Uranatomen mit Neutronen sei die Kernspaltung möglich.
 
1938 Otto HAHN, Fritz STRASSMANN und Lise MEITNER entdecken im Dezember 1938 die Kernspaltung, d.h., dass ein schwerer Atomkern durch die Bestrahlung, den Beschuss, mit Neutronen in zwei verschieden schwere Bruchstücke zerfällt. Deren Ordnungszahlen zusammen ergeben die Ordnungszahl des Ausgangskernes.
 
1939 Anfang März führten FERMI, SZILARD und andere Wissenschaftler an der Colombia – University den theoretischen Nachweis, dass eine Kettenreaktion infolge Kernspaltung möglich ist. In diesem Jahr wurden bereits ca. 100 wissenschaftliche Arbeiten zur Kernumwandlung veröffentlicht.
SZILARD war als Jude einer der ersten Flüchtlinge vor dem Nationalsozialismus. Er erkannte den möglichen militärischen Nutzen seiner wissenschaftlichen Arbeit und drängte Albert EINSTEIN, einen Brief an den Präsidenten ROOSEVELT zu schreiben. In diesem Brief wurde vor der Gefahr gewarnt, Deutschland könne eine Atombombe mit fürchterlicher, ja sogar kriegsentscheidender Vernichtungswirkung entwickeln. Am 2. August unterschrieb Albert EINSTEIN diesen Brief. Im Oktober wurde der Warnung Albert EINSTEINS Rechnung getragen und das Advisory Committee on Uranium berufen. Dieses hatte die Aufgabe, die Möglichkeit des Baus einer Atombombe zu prüfen.

Im November 1939 fand eine All-Unionskonferenz der sowjetischen Physiker statt. Den Überlegungen zur militärischen Nutzung der Kernspaltung wurde eine Absage erteilt. Man stellte fest, dass eine kontrollierte Kettenreaktion äußerst zweifelhaft sei.

In Deutschland wird die Ausfuhr von Uran verboten und die Uranvorräte werden gesichert.

 
 
Aus EINSTEINs Brief an den Präsidenten der USA, Franklin Delano ROOSEVELT, vom 2. August 1939
......
Deshalb glaube ich, dass es meine Pflicht ist, Ihre Aufmerksamkeit auf folgende Tatsachen und Empfehlungen zu lenken: Im Laufe der letzten vier Monate ist es möglich geworden durch die Arbeit von Joliot in Frankreich sowie Fermi und Szilard in Amerika eine nukleare Kettenreaktion in einer großen Uranmasse in Gang zu setzen, bei der gewaltige Energie und große Mengen neuer, dem Radium ähnlicher, Elemente erzeugt werden.

Jetzt scheint es sicher zu sein, dass dies in unmittelbarer Zukunft erreicht werden kann. Dieses neuartige Phänomen könnte auch zum Bau von Bomben führen, und es ist durchaus denkbar - obwohl ziemlich ungewiss -, dass extrem wirkungsvolle Bomben eines neuen Typs gebaut werden können. Eine einzige Bombe dieser Art, die auf einem Schiff transportiert und in einem Hafen zur Explosion gebracht wird, kann sehr wohl den ganzen Hafen und das umliegende Gebiet zerstören. Dennoch könnte es sich bei solchen Bomben auch herausstellen, dass sie zu schwer für den Lufttransport sind.
....

Entworfen von den ungarischen Physikern Leo SZILARD, Eugene WIGNER und Edward TELLER, unterzeichnet von Albert EINSTEIN (1879-1955).

 
1940 In Großbritannien untersucht das MAUD-Komitee, welches aus einer Gruppe von Wissenschaftlern gebildet wurde, die Möglichkeiten zum Bau einer Atombombe.

In der Sowjetunion wird die Kommission für das Uranproblem unter Leitung des Direktors des Leningrader Radiuminstitutes V. G. Chlopin gebildet. Aufgabe war es, Methoden zur Isotopentrennung zu entwickeln, Mengen und Ausgaben bei der Bereitstellung von Uran zu ermitteln und die Forschung zu einer kontrollierten Kettenreaktion zu forcieren.

In Deutschland wird dem Atomprojekt keine kriegsentscheidende Bedeutung beigemessen und der Schwerpunkt der Forschung auf die konventionelle Rüstung gelegt.

 
1941 In Großbritannien legt das MAUD-Komitee seinen Bericht vor. Es wurde festgestellt, dass der Bau einer Atombombe möglich sei und diese Waffe 1943 bereitgestellt werden könnte.
Im Oktober gibt der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika dem Office of Scientific Resarch and Developement die Order, eine Nuklearwaffe zu entwickeln.

Im Herbst trafen in der Sowjetunion, in Moskau, erste Geheimdienstberichte über militärisch ausgerichtete Atomforschungen in Deutschland, Großbritannien und den USA ein. Wichtigster Informant war der deutsche Physiker Klaus Fuchs.

 
1942 In den USA beginnt im Januar der Bau der Atombombe. Innerhalb von 18 Monaten entwickelt sich das Bombenprojekt von einem universitären Unternehmen mit 45 Personen zu einer gigantischen industriellen Operation, welche von der US Armee geleitet wird und nach dem Krieg den Namen Manhattan - Projekt tragen sollte. Bis zum Kriegsende entstanden 3 Städte mit einer Gesamtbevölkerung von nahezu 150.000 Menschen. Fabriken und Forschungseinrichtungen in ganz Nordamerika, mehr als 40.000 Mitarbeiter und einem Budget von 2,2 Mrd. Dollar.

In der Sowjetunion führen die eingehenden Geheimdienstinformationen im März zur Bildung eines wissenschaftlichen Beratungsorgans beim Verteidigungskomitee. Der Geheimdienst bildet eine Sonderabteilung für Atomspionage. Stalin erteilte diesem Komitee persönlich den Auftrag, in das amerikanische Atomprojekt einzudringen. Im März wurde in Kasan eine Fläche von 500m² (!!) für die Atomforschung zur Verfügung gestellt. Außenminister Molotow wurde für dieses Projekt verantwortlich gemacht. Schon die ausgewiesene Fläche allein zeigt die mangelnde, um nicht zu sagen lächerliche Vorstellung zur Dimensionierung eines Atomforschungsprojektes. Weiterer Ausdruck für die Fehleinschätzung war die zögerliche Einsetzung KURTSCHATOWs als Leiter des Projektes. So erhielt er zwar schon am 21. Oktober 1942 seine Berufung durch Stalin, wurde aber erst am 11. Februar 1943 durch das Verteidigungskomitee eingestellt.

 
1943 Im Februar 1943 beginnt in der Sowjetunion die Arbeit am Atombombenprojekt.

Am 19. August schließen die USA und Großbritannien das Abkommen von Quebec. Schwerpunkt war die Integration der britischen Atomforschung in das Manhattan - Projekt. Ende 1943 wird eine wissenschaftliche Erkundungsmission gebildet. Durch diese Einrichtung wird die Operation „Alsos" geführt. Ziel von „Alsos" war es, Informationen über die Aktivitäten des Gegners und der Sowjetunion auf dem Gebiet der Atomforschung zu erhalten. Zum gleichen Zeitpunkt wurde ein Programm gestartet, mit dem eine weltweite Erfassung aller Uranvorräte und Lagerstätten und Möglichkeiten angestrebt wurden, um diese unter amerikanische Kontrolle zu bringen.

 
1944 In der Sowjetunion beschwert sich VERNADSKI, ein enger Mitarbeiter KURTSCHATOWs, beim Regierungskomitee für geologische Angelegenheiten über die verzögerten Arbeiten bei der Uranerkundung und -gewinnung. Der bis dahin in der Sowjetunion beschäftigte Personalbestand wurde in keiner Weise den Erfordernissen des Atomprojektes gerecht. So waren zum Zeitpunkt des 24. April 74 Personen, darunter 25 wissenschaftliche Mitarbeiter, im Laboratorium Nr. 2 mit den Arbeiten beschäftigt.

Die USA und Großbritannien bilden den Combined Development Trust, um den Zugriff auf alle bekannten Uranressourcen sicherzustellen. Im September wird der Vertrag mit Belgien über die Uranvorkommen im damaligen Belgisch - Kongo geschlossen. Die Erkundungsarbeiten in Australien, Neuseeland und Südafrika werden forciert.

 
1945 Im Januar beginnt die Sowjetunion in Bulgarien mit der Urangewinnung.

Gegen Ende des Krieges wurde „Alsos" vor allem in der Richtung aktiviert, die Ergebnisse des deutschen Atomprojektes vor den sowjetischen Militärs sicherzustellen. So wurde am 15. März ein Angriff auf die Oranienburger Betriebsanlagen der AUER-Gesellschaft durch 612 fliegenden Festungen bombardiert.

Am 15. März schreiben EINSTEIN und SZILLARD einen Brief an den Präsidenten der USA, in dem sie sich gegen den Einsatz der Atombombe aussprechen.

Am 16. Juli wir in den USA, in der Wüste von New Mexiko (Trinity Site) die erste Atombombe der Welt gezündet. Es war eine Plutoniumbombe, wie sie später auf Nagasaki geworfen werden sollte. Am 6. August wird auf die japanische Stadt Hiroshima und am 9. August auf Nagasaki jeweils eine Atombombe geworfen. Beide Bomben, die nicht mehr kriegsentscheidend waren, töteten 155.000 Menschen und brachten für mehr als 200.000 ein bis heute währendes Siechtum.

In der Sowjetunion sollen die Vorräte an Uran zum Kriegsende ca. 90 kg Uranoxyd und 218 kg metallisches Uranpulver betragen haben. Der größte Teil dieser Vorräte stammte aus deutschen Beständen. Ab Ende Mai beginnen die Erkundungsarbeiten im tschechischen Jachymow und im Erzgebirge. Am 14. September wird in Moskau die Sächsische Erkundungsexpedition mit dem Ziel der Suche nach Uranlagerstätten gegründet. Sie nahm am 26. September ihre Arbeit auf, ihr Hauptsitz war Dresden.

Am 3. November gibt in den USA das Geheimdienstkomitee (Joint Inteligence Commitee) die Direktive JIC 329 unter dem Titel „Atombombenziel Sowjetunion" heraus. 20 wichtige Industrie- und Regierungszentren beim ehemaligen Verbündeten werden als Ziele bestimmt.

 
1946 Im Mai beginnt eine Sowjetische Militäreinheit , Feldpost Nr. 27 304, mit der Uransuche und mit Gewinnungsarbeiten im Sächsischen Erzgebirge um Johanngeorgenstadt und Oberschlema Schneeberg. Im Juni 1946 meldet das Arbeitsamt Aue, dass das Bergwerk der Sachsenerz AG in Johanngeorgenstadt wieder arbeitet und Bergleute in Arbeit vermittelt werden konnten. Weil die Arbeitskräfte nicht ausreichten, wurden auch Frauen in Arbeit gebracht.

Im August erfolgen die ersten Uranlieferungen in die Sowjetunion, die Handelsgesellschaft Deurunapht AG wickelt den Handel ab. In diesem Jahr werden 17,2 Tonnen Uranerz geliefert. Im Oktober 1946 wurde eine Sächsische Bergverwaltung unter Leitung von N. M. HAUSTOV (Wirtschaftsgruppe Haustov) gegründet. Am 24. Dezember gelingt im Moskauer Labor die erste atomare Kettenreaktion.

 
1947 Im Mai wird in der Sowjetunion durch den Ministerrat der Beschluss zur Gründung einer staatlichen Aktiengesellschaft gefasst. Dieses Uranerzbergbauunternehmen wird aus Geheimhaltungsgründen als Staatliche Aktiengesellschaft der Buntmetallindustrie „VVismut" bezeichnet. Hauptsitz des Unternehmens ist Moskau.
Auf Grundlage des Befehls Nr. 128 der Sowjetischen Militäradministration vom 26. Mai werden Bergbau- und Aufbereitungsbetriebe im Erzgebirge als Reparationsleistung in sowjetisches Eigentum überführt. Am 2. Juli 1947 wird eine Zweigniederlassung im Amtsgericht Aue/Sachsen angemeldet. In diesem Jahr werden 150 Tonnen Uranerz in die Sowjetunion geliefert. Es beginnt die Rekrutierung von Arbeitskräften außerhalb des Landes Sachsen in der gesamten sowjetischen Besatzungszone auf der Grundlage des Befehles Nr. 3 des Alliierten Kontrollrates (!) und des Befehls Nr. 153 des Obersten Chefs der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland.

Am 8. November bestimmen Planungsgruppen der USA im „Memorandum 496/1" wieder 20 Nuklearziele in der Sowjetunion.

 
1948 Auch in diesem Jahr war die Uranerzlieferung in die Sowjetunion noch gering. Es werden 321 Tonnen Uranerze geliefert.
 
1949 Am 29. September 1949 wird auf dem Versuchsgelände in Kasachstan die erste sowjetische Atombombe gezündet.
 
1950 Am 1. Januar 1950 ordnet der Präsident der USA, Harry S. TRUMANN, den Bau einer Wasserstoffbombe an, deren Sprengkraft (freigesetzte Energie) die der Atombombe um ein Vielfaches übersteigt.
 
1952 Die erste Wasserstoffbombe wird am 1. November 1952 von den USA auf dem Eniwetok-Atoll im Pazifik gezündet. Die Sowjetunion zieht in knapp einem Jahr nach:
 
1953 Am 12. August 1953 erfolgt die Zündung der ersten sowjetischen Wasserstoffbombe.

Die Rüstungsspirale dreht sich weiter und hat auch nach Beendigung des „Kalten Krieges“ und den ersten Schritten zur Abrüstung in den 80er Jahren durch GORBATSCHOW und REAGAN durchaus kein Ende erreicht. Heute besitzen neben den „klassischen Atommächten“ USA, Russland, Frankreich, England und China mit Sicherheit solche Länder wie Indien, Pakistan und Nordkorea, mit hoher Wahrscheinlichkeit Südafrika, Iran und Israel einsatzfähige Atomwaffen. Es kann zu keiner Zeit garantiert werden, dass nicht ein politischer Usurpator zu irgendeiner Zeit den Einsatzbefehl für Atomwaffen gibt oder aber radikale religiöse Kreise in den Besitz von Nuklearwaffen gelangen.